Da kommt man morgens noch total verpennt am Arbeitsplatz an, dockt den Laptop ein und schaut gewohnheitsmäßig aufs Telefon… und stellt schockiert fest, dass man seit gestern 51 entgangene Anrufe hat.
Meine Gedanken überschlagen sich: wie kommt denn so was?
Ist irgendwo was explodiert und jemand such sehr sehr verzweifelt nach Hilfe? Will mir jemand vehement eine Versicherung / einen Kredit / einen Staubsauger andrehen? Hat die neue Putzfrau irgend eine besondere Putztechnik, dass sie beim Abstauben der Telefone immer meine Nummer wählt?
Mit einem komischen Gefühl drücke ich die “Liste anzeigen”-Taste, und siehe da: alle Anrufe bis auf einen sind von den drei Kollegen nebenan.
Ein echt lahmer Büroscherz, Jungs! Viel zu lernen ihr noch habt.
Irgendwie habe ich das Gefühl, in letzter Zeit überrumpelt ein Teil meines Gehirns öfter mal den anderen. So zum Beispiel eben, als ich nen Kollegen per Mail auffordere, mir eine Nahaufnahme einer Seriennummer zu schicken.
Linke Gehirnhälfte an rechte Hand: “Tippe ‘N-a-h-a-u-f-n-a-h-m-e-Leerzeichen….’” Hypothalamus: “nein nein nein! Das machen wir anders! Hand, herhören, ich diktiere: ‘N-a-c-k-t-a-u-f-n-a-h-m-e’”.
Noch lustiger war da nur der Kollege, dem ich über die Schulter schauen durfte, als er in irgend einem Dokument ständig die Abkürzung “SEC” (für Security) so tippte: SEX…. backspace, backspace, backspace … SEX … backspace, backspace, backspace … SEX … “ACH FUCK!”
Klar, wenn man’s zig mal in die Suchmaschinen eingibt, haut irgendwann die Konditionierung voll rein.
Ok, die vergangenen Wochen waren in der Tat etwas stressig, und derzeit bekomme ich von allen Seiten etwas erhöhten Druck zu spüren. Aber ganz ehrlich - ich würde hier nicht wegwollen.
Warum?
Ganz einfach: Wegen meiner Kollegen.
In einem 16-Mann-Großraumbüro zu sitzen und drei Leuten zuzuhören, die in einer Telefonkonferenz den hier abziehen, ist einfach herzerfrischend.
Noch lustiger ist es zu hören, dass auch die Teilnehmer am anderen Ende der Leitung mitmachen.
Da habe ich aber nicht schlecht gestaunt, als ich gestern abend noch schnell bei meinen Eltern vorbeigefahren bin.
Natürlich habe ich wiedermal meinen Schlüssel daheim vergessen, also drücke ich auf die Klingel in der Hoffnung, dass jemand zu Hause ist. Und was spricht mir die Gegensprechanlage entgegen?
“Wir sind zur Zeit nicht zu Hause. Bitte hinterlassen sie eine Nachricht nach dem Signal. *piiiep*”
Etwas verdattert schaue ich mich um, ob mein Vater nicht in einem Anflug von Frank-Elstner-Wahn noch ‘ne versteckte Kamera installiert hat, sammle mich dann aber und hinterlasse ein freundliches aber bestimmtes: “Ey, ihr habt se doch nich mehr alle! Je oller, je doller”.
Im selben Moment geht die Tür auf. Mama. “Sag mal, mit wem redest du denn da?” - “mit eurem Anru… Türklingelbeantworter” - “Mhm, klar. Bub, hast du getrunken?!”
Wie dem auch sei: schnell ist der Schuldige gefunden. Seit mindestens 15 Jahren läuft die Türsprechanlage nebst Klingel bei uns über die Telefonanlage. Und seit gestern akzeptiert die Anlage scheinbar die Haustür als vollwertiges Telefon. Inklusive AB-Funktionalität. Einfach so.
Mein alter Herr kann’s sich auch nicht erklären. Aber ihm gefällt der Gedanke: “Ist doch prima - so halten wir uns die alte Kellerheimer vom Hals, die eh nur zum Tratschen vorbeikommt. Soll se einfach aufs Band erzählen.”
Ob der Türklingelbeantworter allerdings deutschlandweit Schule macht, wage ich noch zu bezweifeln.
Und wieder hat sie mich vor schlimmerem bewahrt. Zum garantiert hundersten Mal.
Und zum garantiert hundersten mal ist da die dankbare Frage: was würde ich nur ohne sie machen? Oder mein leicht cholerischer Kollege Sören? Oder alle anderen hier? Nichts vermutlich.
Ohne sie hinge der Haussegen wohl so was von schief, dass man unser Büro ohne Parierwaffen gar nicht erst betreten bräuchte. Nein nein, man kann mit Fug und Recht behaupten, sie hält die Firma zusammen.
Ich habe nur seit knapp 2 Wochen ein Projekt an der Backe, das mich ein wenig Zeit und Nerven kostet. Bin ja schließlich noch absoluter Beginner auf dem Gebiet.
Aber bis zum 11. April muss alles fertig sein - dann gibts hier auch wieder einiges zu erzählen.
Gerade eben per Outlook eine Besprechungsanfrage bekommen: Heute abend 19:00 - 23:00 Uhr für ein Projekt, das ich nur ganz am Rande kenne.
Wer kommt denn auf so ne blöde Idee? Erst mal nachsehen, wer so alles teilnimmt: ein Inder, zwei Italiener, zwei Deutsche, ein Amerikaner… tja, bei insgesamt 12 Stunden zwischen den Zeitzonen muss wohl immer mindestens einer in den sauren Apfel beißen.
Aber warum zur Hölle muss das bei diesem Meeting ein Inder (ca. 01:00 Uhr) und vier Europäer sein? Nur damit der eine Ami pünktlich um 17:00 Uhr heimgehen kann?
Merke:
Auch wenn die Tasse mit einem Druck auf “Portion heiße Schokolade, klein” nur zu ca. 35% gefüllt wird - nochmal das gleiche direkt drauf führt garantiert zum Überlaufen.
Nachdem ich vom Manualblog ja durch die Blume aufgefordert wurde, mitzumachen - hier unsere 5 häufigsten Lügen (und die entsprechende Übersetzung):
1. “Ich bin fast fertig, man müsste nur noch mal grob drübergehen.”
(”Ach Scheiße, da war ja was. Sollte mal langsam damit anfangen.”) 2. “Wir haben da noch eine klitzekleine Änderung in den Anforderungen.”
(”Statt hier vor Ort muss was in Kuala Lumpur umgebaut werden, und außerdem kommt noch Kunde xy ins Boot, dessen Standards sie auch beachten müssen. Ach ja: die Deadline hat sich auf morgen früh verschoben.”)
3. “Ich hab nix gemacht. Das war schon so. Eben gings noch.”
(”Naja gut, ich hab die Tuning-Tools von der Computerbild-CD installiert und die Netzwerkkonfiguration optimiert. Außerdem ist mir Kaffee über die Tastatur gelaufen und ich hab nen 2kg-Neodym-Magneten an die Festplatte gehängt. Aber sonst hab ich ehrlich nix gemacht”)
4. “Ich kann grad nicht, ich hab’ ein ganz wichtiges Meeting” (”Ich hab mich mit dem Stefan zum Kaffeetrinken verabredet, und jetzt will der hier über Konfigurationsdetails und Fehlerbehebung sprechen. Nee, ohne mich.”)
5. “Das ist ganz dringend.”
(”Wenn die Maschine nicht bis März 2012 eingebaut ist, dann bin ich vielleicht ein wenig traurig.”)